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DIE RÜCKKEHR DER SCHMALEN SILHOUETTE

Paris. 36 Grad. Die Menswear Shows für den Sommer 2027 laufen auf Hochtouren.

Zwischen den historischen Fassaden der französischen Hauptstadt hetzt die Fashion Crowd von Termin zu Termin. Jede Show könnte die wichtigste sein. Jeder Look der Beginn eines neuen Trends. Oder zumindest der nächste virale Moment. Natürlich geht es um Kleidung, den perfekt geschnittene Anzüge bei Saint Laurent. Um transparente Loafer, die irgendwo zwischen Eleganz und Provokation balancieren. Es geht um die aufgeblasenen Bomberjacken mit ledernen Harnischen bei Rick Owens. Um die sanften Beige- und Pastelltöne bei Dries Van Noten. Doch wer genauer hinsieht, entdeckt etwas, das weit über Stoffe und Schnitte hinausgeht.

Die eigentliche Veränderung ist in dieser Saison nicht Baumwolle oder Seide, denn sie zeigt sich am ganzen Körper. Die Models auf den Laufstegen von Paris und zuvor auch in Mailand wirken auffallend schlanker als noch vor wenigen Saisons. Gleichzeitig verändert sich die Silhouette der Kleidung. Sie liegt wieder näher am Körper, zeichnet Konturen nach und verabschiedet sich langsam von den übergroßen Proportionen, die die Herrenmode in den vergangenen Jahren geprägt haben. 

Herrenmode in Veränderung

Silhouetten wechseln in der Mode nie über Nacht. Sie bewegen sich langsam, fast unbemerkt. Erst rückblickend erkennt man, wann der Wandel tatsächlich begonnen hat. Genau diesen Moment erleben wir möglicherweise gerade. Doch mit einer neuen Silhouette stellt sich auch eine andere Frage. Welches Männerbild wird hier eigentlich gezeigt? Mode lebt von Idealen. Sie lebt von Überzeichnung, von Zuspitzung und von einer Ästhetik, die oft bewusst nicht alltäglich sein will. Das gehört zur DNA der Luxusmode. Trotzdem lässt sich kaum ignorieren, wie schmal viele Körper auf den Laufstegen inzwischen wieder geworden sind.

Natürlich kann niemand seriös behaupten, dass ein einzelner Laufsteg das Selbstbild einer ganzen Generation verändert. So einfach funktioniert das nicht. Gleichzeitig wäre es naiv anzunehmen, Bilder hätten keinen Einfluss. Mode ist Kommunikation. Sie erzählt uns ständig, was gerade als begehrenswert gilt. Wer Woche für Woche dieselben Körper sieht, dieselben Proportionen und dieselben Ideale, nimmt diese Bilder irgendwann als Normalität wahr. Genau darin liegt ihre Kraft.

Der Zeitgeist schwingt mit

Vor einigen Jahren reagierte die Branche genau auf diese Diskussion. Nach massiver Kritik führten Teile der französischen Modeindustrie strengere Vorgaben für den Einsatz von Models ein. Gesundheit sollte stärker berücksichtigt werden. Vielfalt wurde zum Schlagwort einer ganzen Bewegung. Heute wirkt vieles davon erstaunlich weit entfernt. Body Positivity und Diversität gehören zwar weiterhin zum Vokabular vieler Marken, auf den internationalen Laufstegen scheint sich jedoch wieder ein deutlich schmaleres Ideal durchzusetzen. Ob das eine bewusste ästhetische Entscheidung ist oder lediglich der nächste Zyklus einer Branche, die ständig nach dem Gegenentwurf zur vorherigen Saison sucht, lässt sich heute noch nicht eindeutig beantworten.

Vielleicht spiegelt Mode die Gesellschaft. Vielleicht formt sie sie aber auch stärker, als wir glauben. Gerade deshalb lohnt es sich, nicht nur auf die Kleidung zu schauen. Ich liebe High Fashion. Ich liebe das Handwerk, die Kreativität und den Mut, den diese Branche hervorbringen kann. Gerade deshalb fällt es mir schwer, über das Körperbild hinwegzusehen, das aktuell wieder auf vielen Laufstegen inszeniert wird. Denn am Ende transportiert Mode nicht nur Trends. Sie transportiert immer auch Vorstellungen davon, wie ein Mensch aussehen sollte.

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