WENN WIR ÄLTER WERDEN
Was Anna Wintour, Meryl Streep und „Der Teufel trägt Prada 2“ über Stil, Macht und Selbstbild erzählen
Es gibt Themen in der Mode, die auf den ersten Blick gar nicht wie Modethemen wirken. Das Älterwerden gehört für uns genau dazu. Denn natürlich geht es dabei um Falten, graue Haare, Ausstrahlung und die Frage, wie man sich selbst im Spiegel sieht. Aber es geht eben auch um Kleidung, um Haltung, um Sichtbarkeit und um die uralte Erwartung, dass Frauen möglichst lange jung, frisch und gefällig auszusehen haben. Genau an diesem Punkt beginnen für uns spannende Gespräche. Nicht nur im privaten Leben, sondern auch im Podcast.
In den letzten Wochen haben wir bei Lost On Planet Fashion drei Episoden veröffentlicht, die auf unterschiedliche Weise genau dieses Feld berühren: unsere Folge über das Älterwerden und die Balance zwischen dem Wunsch nach Jugend und innerer Zufriedenheit, unser großes Portrait über Anna Wintour und schließlich die Review zu „Der Teufel trägt Prada 2“. Drei Folgen, die auf den ersten Blick unterschiedlich wirken, in Wahrheit aber eng zusammenhängen. Denn sie erzählen von Frauenbildern, Macht, Disziplin, öffentlicher Wahrnehmung und von der Frage, was Stil eigentlich bedeuten kann, wenn das Leben weitergeht und das eigene Spiegelbild sich verändert.
Wie wir mit dem älter werden modisch wachsen können
Die erste dieser Episoden setzt bei einer Erfahrung an, die viele Frauen früher oder später beschäftigt. Wie gehe ich mit dem Älterwerden um? Muss ich meinen Stil anpassen? Was passiert mit dem eigenen Selbstbild, wenn Jugend nicht mehr selbstverständlich ist? Auf den internationalen Fashion Weeks ist dieses Thema noch immer nur vorsichtig sichtbar. Reifere Models bleiben auf den großen Laufstegen selten, obwohl gerade ältere und wohlhabende Frauen seit Jahrzehnten zu den wichtigsten Kundinnen von Luxusmode und Haute Couture gehören. Selbst aktuelle Berichte über die Runways zeigen, dass Inklusion im Luxussegment oft stärker behauptet als wirklich gelebt wird.
So meldete Vogue Business für Herbst/Winter 2025 weiterhin eine sehr geringe Präsenz von Mid Size und Plus Size Körpern auf den Laufstegen. Gerade deshalb ist es bemerkenswert, wenn Häuser wie Chanel oder Tom Ford reifere Models einsetzen und damit wenigstens andeuten, dass Eleganz, Alter und Sichtbarkeit kein Widerspruch sein müssen. Diese Bewegung ist noch klein, aber sie ist da. Und sie ist wichtig.
Die Ikone der US-Vogue
Noch klarer wird das Thema, wenn man sich die Figur Anna Wintour anschaut. Sie ist nicht einfach nur eine Chefredakteurin oder ein Mythos der Fashion Welt. Sie ist eine jener Frauen, an denen sich über Jahrzehnte gezeigt hat, wie eng Macht, Stil, Disziplin und öffentliche Projektion miteinander verbunden sind. Anna Wintour hat die US Vogue 37 Jahre lang geprägt und trat im Juni 2025 als Editor in Chief der amerikanischen Ausgabe zurück, während sie weiterhin globale Führungsrollen bei Condé Nast und Vogue behält. Allein diese Verschiebung zeigt, wie sehr sie zur Institution geworden ist. In unserer Episode über Anna Wintour wollten wir deshalb nicht nur die bekannte Erzählung von der strengen, angeblich eiskalten Chefin wiederholen.
Uns interessierte die reale Frau hinter der Legende. Eine Frau, die ihre Karriere kompromisslos aufgebaut hat, die Stil immer auch als Zeichen von Autorität begriffen hat und die bis heute zeigt, dass Alter in der Mode nicht automatisch Unsichtbarkeit bedeuten muss. Anna Wintour ist kein gemütliches Vorbild. Aber sie ist ein Beispiel dafür, dass Frauen in einer späteren Lebensphase nicht an Relevanz verlieren müssen. Im Gegenteil: Manchmal beginnt ihre stärkste Wirkung genau dann.
Und damit kommt Meryl Streep ins Spiel
Oder genauer: die Figur Miranda Priestly, die bis heute wie ein kultureller Schatten über jeder Diskussion zu Anna Wintour hängt. „Der Teufel trägt Prada 2“ ist Anfang Mai 2026 in die Kinos gekommen und bringt Meryl Streep, Anne Hathaway und Emily Blunt wieder in ihre bekannten Rollen zurück. Für uns war diese neue Episode mehr als nur eine Filmreview. Der Film ist auch deshalb interessant, weil er wieder eine reifere, machtvolle Frau ins Zentrum rückt und damit ganz automatisch die Frage aufwirft, warum genau solche Figuren in der Popkultur so faszinieren. Meryl Streep verkörpert seit Jahren einen Typ von Weiblichkeit, der nicht über Jugend funktioniert, sondern über Präsenz, Intelligenz und Haltung. Sie ist nicht interessant, obwohl sie älter ist. Sie ist interessant, weil sie gelernt hat, Alter nicht als Verlust zu spielen, sondern als Kraft. Genau darin trifft sie sich, trotz aller Unterschiede, mit Anna Wintour. Beide stehen für Frauen, die nicht um Erlaubnis bitten, sichtbar zu sein. Beide zeigen, dass Stil nicht nur aus Kleidung besteht, sondern aus Konsequenz, Selbstbild und der Art, wie man einen Raum betritt.
Für uns ergibt sich daraus eine kleine Themenreihe, die mehr ist als nur eine lose Folge von Podcast Episoden. Sie erzählt davon, dass Mode nicht an der Oberfläche endet. Dass die Frage nach Schönheit immer auch eine Frage nach gesellschaftlicher Bewertung ist. Dass Frauen in einer bestimmten Lebensphase oft stärker über ihr Aussehen definiert werden als ihnen guttut. Und dass man gerade deshalb andere Bilder braucht. Bilder von Reife, von Würde, von Widerspruch, von Ausstrahlung. Bei Lost On Planet Fashion interessiert uns genau das immer mehr: nicht nur Trends, Labels und Looks, sondern auch die Hintergründe der Mode, ihre Kunst, ihre Macht und ihre Wirkung auf das eigene Leben.
Podcast Episoden bei denen was für sich mitnehmen kann
Wer sich gerade selbst in einer Phase befindet, in der Schönheit, Alter, Veränderung und persönlicher Stil plötzlich emotionaler werden als früher, findet in diesen drei Folgen vielleicht mehr als nur Unterhaltung. Vielleicht sogar ein paar Gedanken, die entlasten. Und genau deshalb wollten wir diese Reihe sichtbar machen. Weil Mode manchmal genau dort am stärksten ist, wo sie nicht nur etwas schmückt, sondern etwas in uns berührt.